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Weihnachten in Tschechien



Foto: djd/press-partners
(pp).- Für gläubige Tschechen ist der Advent nach wie vor eine Periode der religiösen Meditation und des Verzichts vor der Zeit des weihnachtlichen Überflusses. Der Christbaum kam aus Deutschland in die Böhmischen Länder. Der erste Weihnachtsbaum erstrahlte in Prag 1812 in der Villa des Direktors des Ständetheaters. Schon dreißig Jahre später hatte sich der Brauch bei den reicheren Familien durchgesetzt. Nach 1948 versuchten die Kommunisten anstelle des Christkinds, das den Kindern die Geschenke bringt, das russische Väterchen Frost einzuführen, allerdings ohne rechten Erfolg.

Am Nachmittag des Heiligen Abends wird der Christbaum meist von den Kindern geschmückt - bevorzugt mit Essbarem wie roten Äpfeln, Nüssen, Lebkuchen und Süßigkeiten. Traditionellerweise isst man auch den ganzen Tag kein Fleisch. Mittags gibt es gewöhnlich Linsensuppe, ein Symbol für ausreichend Geld im nächsten Jahr. Das klassische Abendessen am Heiligen Abend besteht aus zwei Gängen: einer Fischsuppe und anschließend paniertem Karpfen mit Kartoffelsalat. Manche Familie haben sich die alte slawische Sitte bewahrt, auf den Tisch Knoblauch zu stellen, der die Familie stärken und beschützen soll. Nach dem Essen kämpft man sich durch Berge weihnachtlicher Süßigkeiten. Wie bei uns gibt es Plätzchen, eine Besonderheit ist der Weihnachtsstriezel, den es in den unterschiedlichsten Varianten gibt. Dabei handelt es sich um einen geflochtenen Hefekuchen mit normalerweise vier Zöpfen, manche Meisterinnen schaffen sieben Zöpfe. Nach altem Brauch wird eine Münze eingebacken. Wer das Stück mit der Münze erhält, kann im kommenden Jahr mit Glück rechnen.

Der zu kommunistischer Zeit weitgehend verloren gegangene Brauch, nachts die Christmette zu besuchen, kehrt langsam wieder. Inzwischen geht etwa die Hälfte aller Tschechen Weihnachten zur Kirche. Zur weihnachtlichen Tradition gehört auch die Mistel. Wie vierblättrige Kleeblätter oder Hufeisen gilt sie als Glücksbringer, allerdings nur für denjenigen, der sie zum Geschenk erhält und nicht für den, der sie besorgt. Einst sollte sie vor Feuer schützen und an der Hauswand hängend Hexen und böse Geister am Eintritt hindern.

In verschiedenen Regionen sind noch alte Bräuche lebendig, so zum Beispiel das Walnussschalen-Schwimmen in einer Schüssel Wasser. Dazu wird eine Schüssel Wasser aufgestellt, in der jeder sein Walnussschiffchen - eine Schalenhälfte mit einer Kerze - schwimmen lässt. Aus der Bewegung der Schiffchen lässt sich das jeweilige Schicksal vorhersagen. Durchquert das Schiffchen die ganze Schüssel, bedeutete das ein langes Leben, sinkt es aber, so wird dem Besitzer etwas Unangenehmes zustoßen. Beim Brauch des Bleigießens, der in Deutschland gelegentlich an Silvester gepflegt wird, geht es darum, aus der Form des erkalteten Bleis die Gestalt des künftigen Gatten vorherzusagen. Ursprünglich war der Tag für solche Weissagungen der 30. November, der St. Andreas-Tag, heute ist es meist der Heilige Abend. In anderen Regionen versuchen Mädchen aus der Form von Eislöchern etwas über ihren zukünftigen Mann zu erfahren, deren Aussehen etwas über die Gestalt verraten sollten. Wo anders klopften die Mädchen oder sie klopfen an die Tür eines Hühnerstalls: Meldet sich zuerst der Hahn, wird nächstes Jahr geheiratet, meldet sich ein Huhn, heißt es noch ein Jahr warten. Nikolaus wird in Tschechien am 5. Dezember gefeiert. Wie bei uns bringt er kleine Geschenke für Kinder und erinnert daran, dass das Christkind vor der Tür steht.

Die in Tschechien beliebten Krippen waren ursprünglich ein Mittel, mit dem die Jesuiten nach 1620 die Rekatholisierung der protestantischen Tschechen betrieben. Die erste tschechische Krippe überhaupt stand aber schon 1560 in der St. Klemens Kirche neben der Karlsbrücke in Prag. Ende des 18. Jahrhunderts verließen die Krippen die Kirchen und verbreiteten sich in der Bevölkerung. In der biblischen Geschichte fanden die Menschen beides: Parallelen zu ihrem Schicksal von Armut und Zukunftsangst, aber auch Hoffnung. Lange Zeit war die Krippe das Symbol für Weihnachten bevor sie im Laufe des 19. Jahrhunderts in Tschechien vom Weihnachtsbaum verdrängt wurde. Anders als hierzulande werden Weihnachtskrippen nicht nur aus Holz und Rinde, sondern aus den verschiedensten Materialien wie z.B. bunt bemaltem Papier gebaut. Die Vielfalt ist so groß, dass zahlreiche regionale Krippenmuseen entstanden sind.
 
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