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Sizilianisch-arabisch-türkischer Gaumenkitzel - die maltesische Küche



Foto: Fremdenverkehrsamt Malta
(pp) Phönizier, Römer, Araber, Normannen, Sizilianer, Johanniter, Nordafrikaner - mit all diesen Fremden hatten die Inselbewohner intensiven Kontakt, und von ihnen allen haben sie kulinarische Anregungen übernommen. So entstand auf Malta eine ganz eigene mediterrane Kochkunst. Erleben lässt sie sich in ganz einfachen dörflichen Familienrestaurants, aber auch in solchen für Feinschmecker mit großer Menüauswahl in wunderschönen alten Innenhöfen. Sich beim Essen unters Volk mischen und dabei gleich den neuesten Dorfklatsch hören oder in der friedlich-exklusiven Atmosphäre eines ehemaligen Adelshauses unter Bougainvillea und Jasmin sitzend dinieren - beides hat seinen eigenen Reiz.

Kulinarisches Erbe

Bis vor kurzem gab es traditionelles maltesisches Essen nur als Hausmannskost. Reisende konnten diese heimische Küche bis ins letzte Jahrzehnt hinein bestenfalls in Dorfbars kosten. Heute dagegen wächst das Interesse am reichen kulinarischen Erbe der Inseln. Es gibt zahlreiche Radio- und Fernsehprogramme und wöchentliche Kolumnen zum Thema Essen auf Malta - sogar im Magazin von Air Malta finden Sie quasi zur Einstimmung bereits Rezepte abgedruckt. Diese Renaissance der regionalen Küche hat viele Restaurants ermutigt, die entsprechenden Speisen auch auf ihr Menü zu setzen. Stolz servieren sie ihre eigenen Versionen von lokalen Spezialitäten wie Lampuki Pie (Fisch ?Pie?, also Fisch mit Gemüse unter einer Teigkruste), Kaninchenragout, Bragioli (Rindfleisch und Oliven) sowie diverse Süßigkeiten mit Ricotta und halbgefrorene Desserts wie Cassata.

Wegen des chronischen Brennholzmangels wird auf Malta seit Jahrhunderten langsam und auf kleiner Flamme gegart. Manche traditionelle Speisen wie das ?Ross fil-Forn? können nur so wirklich original und schmackhaft zubereitet werden. Dieses Reisgericht mit Hackfleisch, Eiern, Safran und Tomaten stammt noch von den Phöniziern.

Lieblingsspeisen der Saison

Fleisch war und ist auch heute noch im größten Teil Südmaltas rar, so dass Fisch die Hauptrolle auf dem Tisch spielt. Bis heute befolgen zudem viele ältere Menschen die katholische Tradition, mittwochs und freitags Fisch zu essen. Zu den Spezialitäten des Landes gehört viel Gemüse, von Zucchini und Artischocken über Maltas gigantische Kohl- und Blumenkohlköpfe bis hin zu sonnengereiften Tomaten und Kartoffeln. Gefüllte Kürbisse und Tomaten sowie die reichhaltige Gemüsesuppe Minestra kommen daheim und im Restaurant oft auf den Tisch.

Einen Versuch wert ist z.B. die Witwensuppe, in die ein kleiner, runder Gbejniet, ein Schafs- oder Ziegenkäse, hineingehört und die ohne Bohnen nicht auskommt. In den meisten Lebensmittelläden finden Sie Bigilla, eine schwere Paste aus dicken Bohnen mit Knoblauch. Manchmal wird diese auch direkt auf den Märkten auf dem Dorfplatz verkauft. Eine andere Gemüsespezialiät ist die Kapunata, die maltesische Variante der Ratatouille.

Unter dem reichhaltigen Fischangebot findet sich die Aljotta, eine Fischsuppe mit Knoblauch, Pepperoni, Tomaten, Reis und viel gehacktem Majoran oder Petersilie. Je nach Jahreszeit stehen Spnotta (Barsch), Dott (Wels), Cerna (Raubbarsch), Dentici (Zahnfisch), Sargu (Brasse) und Trill (Meeräsche) auf dem Speiseplan; etwas später dann Schwertfisch und Thunfisch, und im Herbst der berühmte Lampuka (Dorade). Dieser köstliche, weiße, vielseitige Fisch ist auf den Inseln besonders beliebt. Tintenfisch und Oktopus dagegen werden gerne in reichhaltigen Eintöpfen und Pastasaucen verarbeitet. Eine Köstlichkeit ist der Lampuki-Auflauf aus Lampuka, filetierter Zahnbrasse, Spinat, Blumenkohl, Kastanien und Rosinen. Überhaupt haben die Malteser eine Vorliebe für herzhafte Aufläufe aus Früchten der Saison. Wer einen Kürbisauflauf auf der Speisekarte findet, sollte ?zuschlagen?. Für diese pikant gewürzte Delikatesse werden feldreife, leuchtend orangene Kürbisse zusammen mit Reis und frischem Basilienkraut in einem knusprigen Teig gebacken. Dieses Gericht hat einen ungewöhnlichen, äußerst delikaten Geschmack. Sehr beliebt sind auch Auflauffüllungen mit Spinat und Anchovis. Ein Leibgericht für viele Einheimische ist die Timpana, eine Nudelpastete mit Auberginen, Zwiebeln, Speck, Hühnerleber und Hackfleisch mit einer kräftigen Fleischsoße.

 
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