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Polen - faszinierender Nachbar

 



Foto: djd/RatGeberZentrale
(pp) Über 456 Kilometer sind Deutschland und Polen Nachbarn. In dem Land, das wie kein anderes unter den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg gelitten hat, begegnen Deutsche größtenteils einer Freundlichkeit, die als historisches Wunder bezeichnet werden darf. Während des Krieges und der Besatzungszeit kamen über sechs Millionen Polen, davon drei Millionen jüdische Einwohner, ums Leben.

Heute leben 38,6 Millionen Menschen in dem ca. 312.000 Quadratkilometer großen Staat (Deutschland: 357.000, Italien: 301.000), und zwar in 16 Woiwodschaften. Eine Woiwodschaft ist in etwa mit den deutschen Bundesländern zu vergleichen. Von den mehr als 15 Millionen Touristen, die jährlich nach Polen reisen, kommt jeder Dritte aus Deutschland. In der jüngeren Generation ist Englisch sehr verbreitet, Deutsch ist die zweitwichtigste Fremdsprache. Das Personal in den meisten Hotels und Restaurants spricht eine der beiden Sprachen.

Nationalstolz und der Katholizismus
Als ?Säulen? der polnischen Nation gelten der Nationalstolz und der Katholizismus. Gegenüber kritischen Äußerungen diesen beiden Bereichen gegenüber - dies betrifft auch die wirtschaftliche Entwicklung oder die Kriminalitätsrate - reagieren sehr viele Polen äußerst empfindlich. Kirchenkritische oder gar blasphemische Äußerungen, die in Deutschland in gewissen Kreisen zum guten Ton gehören, können verletzend wirken. Der eindrucksvollste Beleg der polnischen Heimatliebe ist die liebevolle Kleinarbeit, mit der mit titanischem Fleiß und Eifer die nahezu vollständig zerstörten Innenstädte von Warschau und Krakau zu einer Zeit nahezu originalgetreu restauriert wurden, während der in Deutschland die meisten alten Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fielen. Für ehemals deutsche Städte sollten die heute gültigen polnischen Ortsbezeichnungen genutzt werden.

Geist und Kultur werden groß geschrieben
Geist und Kultur werden in Polen groß geschrieben. Dies gilt sowohl für die Wissenschaft als auch für den Erhalt der alten wie die Pflege der modernen Kultur - von Jazz über Theater und Architektur bis zu Tanz und Literatur. Berühmte polnische Persönlichkeiten werden oftmals nicht mit Polen assoziiert. Nicolaus Copernicus z.B. wird häufig für einen Deutschen gehalten, Marie Curie für eine Französin, ebenso Fryderyk Chopin, Roman Polanski für einen Amerikaner. Lediglich Papst Johannes Paul II. ist weithin als Pole bekannt. Er ist der ehemalige Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla.

Küss die Hand
Frauen sollten sich nicht wundern, sondern es genießen, wenn sie im Rahmen einer polnischen Begrüßung einen Handkuss empfangen; dabei wird ein Kuss auf den Handrücken der Dame angedeutet. Unter Männern gibt man sich die Hand. Erwarten Sie nicht, mit Ihrem Nachnamen angesprochen werden. Die übliche Anrede besteht aus Pani (Frau) oder Pan (Herr) plus Vornamen.
Zu Ostern müssen sich - insbesondere junge - Frauen vorsehen. Der Ostermontag ist nämlich Smigus Dyngus, der ?Tag des Wassergießens?. Dann wird man vorwiegend von Jugendlichen kräftig mit Wasser bespritzt bzw. getränkt. Dabei gilt die Faustregel: je nasser das Mädchen, desto begehrenswerter.

Eine Besonderheit in Polen bieten die ca. 500.000 Schlesier in der oberschlesischen und schlesischen Woiwodschaft um Oppeln und Kattowitz. Lange galten diese Schlesier als ?deutsch?; doch in der letzten nationalen Volkszählung bezeichneten sich nur noch 153.000 als Deutsche. 173.000 gaben jedoch ?schlesischer Nationalität? an, die es laut polnischer Gesetzgebung gar nicht gibt, ein Hinweis auf die zunehmende Autonomiebewegung ?Ruch Autonomii ?l¹ska? (RA?) der Schlesier. Im Internet gibt es sogar einen virtuellen Schlesierstaat unter www.republikasilesia.com .

 
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