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Bäriges Mitteleuropa: Slowakei



Foto: Slowakische Zentrale für Tourismus
(pp) Die Slowakei, das Land von Andy Warhol und Alexander Dubcek - nicht zu verwechseln mit Slowenien -, ist ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte der meisten Mitteleuropäer. Die Slowaken freut das nicht, sehr wohl aber all jene, die Reisen jenseits ausgetretener Pfade schätzen: Statt routiniertem Dauerlächeln trifft man auf bodenständige Herzlichkeit, statt Folklore im Museum erwarten einen uriges Brauchtum und traditionelles Volkskunsthandwerk, statt Horden von Sonntagswanderern begegnet man Naturfreunden aus aller Welt, die längst dieses Land entdeckt haben, das zu rund 20 Prozent aus Naturschutzgebieten besteht, und in dem der Euro noch etwas wert ist.

Nur nicht leertrinken

Sprachlich kommt man in der Slowakei mit Deutsch und Englisch gut zurecht. Gastfreundschaft auch ausländischen Besuchern gegenüber wird noch groß geschrieben, und nach einem netten gemeinsamen Abend kann man schon mal mit einem Küsschen auf beide Wangen rechnen, wie es hier im freundschaftlichen Umfeld sind zwischen Männern und Frauen zum Abschied üblich ist. Die beliebten Schnäpse Slivovica (Pflaumenschnaps) und Borovička (Wacholderschnaps) sollte man allerdings langsam trinken und reichlich mit Wurst, Käse und Stangenweißbrot unterfüttern, denn sobald das Glas leer ist, wird unbarmherzig nachgeschenkt. Spätestens wenn die Zunge schwer wird, empfiehlt es sich, einen Rest im Glas zu lassen.

Die Herausforderungen für die Slowakei ähneln denen überall in Europa: Auf der einen Seite für Sicherheit und Wohlstand aller ihrer Bürger zu sorgen - auch der Roma -, und andererseits ihre natürlichen Schätze zu bewahren und zu pflegen. Vielleicht ist deshalb der Mittelpunkt Europas, der in der Ortschaft Kramhula in der Nähe von Kremnica liegt, nicht nur eine geographische Tatsache, sondern ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die wirtschaftliche Situation in der Slowakei ähnelt der in Deutschland: In der Hauptstadt Bratislava, der jüngsten Hauptstadt Europas mit mehreren Universitäten und nur einen Katzensprung von Wien entfernt, herrscht Aufbruchsstimmung und Vollbeschäftigung, im Osten des Landes ca. 30 Prozent Arbeitslosigkeit.

Edelweiß und Bären inklusive

Mit einer Staatsfläche von 49.035 Quadratkilometern (Deutschland: 357.000 qkm) und einer Bevölkerungszahl um die 5,3 Millionen ist die Slowakei ein kleines Land, vereinigt aber auf ihrem Territorium eine einzigartige europäische Naturvielfalt: Die Tiefebene des Wiener Beckens, die Flusstäler der Donau, Waag und Neutra, die Mittelgebirge des Karpatenbogens, der Niederen Tatra und des slowakischen Erzgebirges und das kleinste Hochgebirge der Welt, die Hohe Tatra, die meist besuchte Region der Slowakei. Der größte Teil der ursprünglichen mitteleuropäischen Flora und Fauna ist hier zu finden - Edelweiß, Gämse, Luchs, Wolf und Bär inklusive. Obwohl es zur Zeit einen Bestand von ca. 800 Braunbären mit stattlichen Exemplaren bis zu 350 Kilogramm Gewicht gibt, haben Wanderer nur wenig Chancen, einem der scheuen Tiere zu begegnen.

Traumhafte Bedingungen für Aktivurlauber

Die Tatsache, dass die Slowakei Bärenland ist, sagt natürlich etwas über die Ausdehnung ihrer unberührten Regionen aus. Etwa 40 Prozent des Landes sind waldbedeckt. Der größte Nationalpark des kleinen Landes, der Nationalpark Niedere Tatra, umfasst 81.000 Hektar. Zum Vergleich: Deutschlands größter Nationalpark auf dem Festland, der Müritz-Nationalpark, ist 31.800 Hektar groß, der Nationalpark Bayerischer Wald hat eine Fläche von 24.250 Hektar. Dementsprechend traumhaft sind die Bedingungen für Wanderer: Die längste Kamm-Wanderroute in der Niederen Tatra ist 80 Kilometer lang und perfekt ausgeschildert. Der Nationalpark Slovensky raj zwischen den Tälern der Flüsse Hornad im Norden und Hnilec im Süden trägt nicht umsonst den Namen ?Slowakisches Paradies?. Kenner bezeichnen seine wildromantische Natur als eines der schönsten Gebiete Europas. Eine der vielen Höhlen, die Eishöhle Dobsinská wurde November 2000 in das Unesco-Weltnaturerbe aufgenommen. Die unterirdischen Gänge sind bis zu 112 Meter tief, der Umfang des unterirdischen Eismantels wird auf 110.130 m³ geschätzt, die Eisschicht ist bis zu 26,5 Meter dick. Neben gemütlichen Wanderrouten gibt es im Slovensky raj echte Herausforderungen entlang seiner tief eingeschnittenen, oft nur meterbreiten Schluchten, steilen Felswände und tosenden Wasserfälle. Einige Pfade dürfen wegen ihrer Gefährlichkeit nur ?gegen den Strom? begangen werden. Die sich über 12.000 km hinziehenden regionalen und überregionalen Wanderwege sind bestens gepflegt und ausgeschildert. Neben ?realsozialistischen? Bettenburgen findet man in der Tatra längst auch zahlreiche Privatunterkünfte und auch romantische Quartiere wie die Téryho chata, eine ganzjährig bewirtschaftete Berghütte in 2.015 Meter Höhe, oder alte Grand Hotels wie das Praha von 1905 in Tatranska Lomnica, das nur über eine Seilbahn erreichbar ist. Ähnlich perfekte Bedingungen finden Radfahrer sowie Ski- und Snowboard-Fans vor. Die slowakischen Skigebiete punkten mit niedrigen Preisen, jungem Publikum und einer berauschend schönen Natur, und 5.400 km touristische Radwege führen entlang der Flüsse sowie durch Bergregionen - Genuss für Alltagsradler und Herausforderungen für erfahrene Radsportler, die sich Mountainbikes auch vor Ort ausleihen können.

Zur Kur kamen Sissi und Maharadschas

Die idealen Bedingungen bietet die Slowakei deshalb für Urlauber, die Erholungsurlaub und Aktivurlaub - auch im Winter - miteinander verknüpfen wollen. 40 Erholungszentren und 23 Kurorte, deren Geschichte teilweise bis ins Mittelalter zurückgeht, und 1.472 Thermal- und Mineralwasserquellen stehen zur Verfügung. Größter Kurort ist Piestany, ein ehemals mondänes und weltbekanntes Badezentrum, das jetzt wieder an seine fürstlichen Traditionen anknüpft. Zur Kur kamen nicht nur Kaiser Franz Josef mit Frau Sissi oder der deutsche Kaiser Wilhelm II., auch die Maharadschas aus Indien und Malaysia ließen sich hier verwöhnen. 18 der malerischen historischen Städte, von denen viele nach deutschem Vorbild angelegt wurden, stehen unter Denkmalschutz; viele der rund 200 Burgen und Schlösser sind Schauplatz origineller Veranstaltungen; von den 50 einzigartigen Holzkirchen - die älteste aus dem 16. Jahrhundert - im Nordosten des Landes, sind einige mächtig genug, um mehrere tausend Gläubige aufnehmen können. 27 von ihnen gelten als nationale Kulturdenkmäler. Spissky hrad, die Zipser Burg, ist die größte mittelalterliche Burg in Mitteleuropa.
 
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